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KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
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Mit Morphin im Paradies



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Text von
"Blut & Mohnmilch"

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Dem jungen Mann des Münchner Reisebüros war mein Anliegen merkwürdig erschienen. Ich wollte ein Flugticket nach Sri Lanka, aber keines zurück. „Es kann geschehen“, erklärte er, „dass sie bei der Einreise im Flughafen ein Rückflugticket oder zumindest eine Hotelreservierung vorweisen müssen. Verfügen sie über keines von beiden, lässt man sie möglicherweise nicht ins Land“. Man konnte, wie es schien, nicht mal mehr fliegen wie man wollte, selbst verfügte man über genügend Geld. Überall entstanden kleine Regeln und kleine miese Vorschriften, die einen zunehmend einengten. Ich sah den Tag kommen, an dem wir alle an kleinen miesen Regeln und Vorschriften ersticken werden…

„Ich schreibe ihnen eine unechte Hotelreservierung aus“, beschloss der junge Mann des Reisebüros. „Es ist keine echte Reservierung. Sie dient nur zum Vorzeigen bei der Einreise“. Als ich das Reisebüro verließ, hatte ich ein Einwegticket nach Sri Lanka in der Tasche und eine falsche Hotelreservierung der Hotelkette „Global Travel“. Am Ende zeigte sich allerdings, ich benötigte weder ein Rückflugticket, noch die falsche Reservierung. Ich hatte den Rat eines Bekannten befolgt und massenweise bunte Kugelschreiber und Wegwerffeuerzeuge mitgenommen. Ein roter Kugelschreiber und ein blaues Wegwerffeuerzeug öffneten mir schließlich die Pforten zur Insel. Bei der Passkontrolle hatte ich beides neben meinen Pass gelegt und artig geguckt. Dafür bekam ich einen roten Einreisestempel in meinen Pass und ein breites Lächeln des Imigrationsbeamten…

Als ich die weite Flughafenhalle betrat, fiel mein Blick auf drei junge europäische Frauen, die in einer Ecke beieinander standen und abwechselnd mit einem Schild in der Hand auf und ab sprangen. „Hotel Global Travel“, stand darauf zu lesen. Ich zeigte den Dreien meine falsche Hotelreservierung. „Kommen sie“, sagte die junge Frau. „Unser Bus steht auf dem Parkplatz vor dem Flughafen und im Hotel wartet bereits das Essen auf sie“. Ich ließ mich ins Hotel Global Travel bringen. Was hätte ich auch anderes tun können? Es war schon später Nachmittag, fast schon Abend und ich befand mich ohne Kontakte in einem Land, in dem ich noch nie zuvor gewesen bin…

Am nächsten Morgen saß ich mit einem Deutschen Ehepaar im Garten des Hotels Global Travel und nuckelte vergnügt an einem Kokosnusscocktail. Herr Schwertfeger war Mercedeshändler aus Hannover. „Und Sie“, fragte er neugierig. „Ich arbeite für einen Schweizer Pharmakonzern und bin auf der Suche nach neuen Rohstoffquellen“, erklärte ich ihm. Schwertfegers Gattin hustete und hörte nicht wieder auf damit. „Sie husten trotz dieses heißen Klimas?“, fragte ich. Danach konnte ich mir eine ellenlange Geschichte über ihren chronischen Husten anhören, unterbrochen von furchtbaren Hustenanfällen. Als es mir zu viel geworden war, griff ich zu einem Kugelschreiber und schrieb auf eine Papierserviette des Hotels, „100 codeinum phosphoricum comp. a’ 20mg“, und unterschrieb forsch mit „Dr. med. phil. hc. Karlos“. Ich winkte einen Lakaien des Hotels herbei, drückte ihm die beschriebene Serviette und einige speckige Rupiescheine in die Hand und schickte ihn zur Apotheke. Eigentlich hatte ich es mehr getan um Madam endlich zum Schweigen zu bringen. Meine Überraschung war dann auch groß, als der Lakai wenige Minuten später mit einem Silbertablett neben mir stand. Darauf lagen, ordentlich aufgereiht und mit blütenweißer Linnenserviette unterlegt, fünf Packungen mit jeweils zwanzig Kodeintabletten zu je zwanzig Milligramm. Sieh an, dachte ich, du giltst als Arzt in diesem Lande und kannst dir zur Not vielleicht sogar Morphinampullen selbst verordnen…

Am nächsten Morgen lief ich zur Hauptstraße und erwarb in einem Trödelladen einen kleinen Schreibblock und einen chinesischen Tintenfüller, der nach wenigem Gebrauch das Papier mehr zerriss als darauf zu schreiben. Zurück im Hotel, schrieb ich auf die erste Seite meines Blocks, „10 x 1ml amp. Inj. Morphinhydrochloricum a' 20 mg“, und unterschrieb wie gehabt mit „Dr. med. phil. hc. Karlos“. Damit rannte ich zur nächsten Apotheke. Wer Doktor Karlos sei, wollte dort die zierliche, rehäugige Apothekerin wissen. Ich hätte antworten müssen, „Sie kennen Doktor Karlos nicht? Den berühmten Deutschen Nobelpreisträger? Er sitzt gerade drüben im Garten des Deutschen Hotels in seinem Rollstuhl und wartet auf sein Schmerzmittel“. Überheblich geworden durch meinen Erfolg vom Tage zuvor, antwortete ich Esel stattdessen, „Doktor Karlos? Das bin ich selbst“. „Es tut mir leid“, meinte daraufhin die zierliche rehäugige Apothekerin. „Solche Rezepte akzeptieren wir grundsätzlich nur von Ärzten, die wir schon länger persönlich kennen“. Klar. Die Sache hatte ja auch einen gewaltigen Haken. Wäre ich nämlich tatsächlich Arzt, stellte ich kein Rezept aus, sondern ginge in eine Apotheke, wiese mich irgendwie als Arzt aus und forderte Morphin. Aber ich war eben noch neu in der Branche, musste noch eine Mange lernen und mich einleben in meinen neuen Beruf…

Vielleicht wäre es grundsätzlich vernünftiger, überlegte ich, man besuchte nicht die Apotheken der Hauptstadt, sondern welche in abgelegenen Nestern, irgendwo auf dem Lande, fernab großer Städte und weit weg von aller Rauschgifthysterie? Also mietete ich ein Motorrad und tuckerte damit einige Stunden immer die Küstenstraße entlang Richtung Süden. In einem Fischerort namens Hikkadua machte ich schließlich Halt. Ich nahm ein Zimmer im „Sea side Hotel“, gleich am Ortseingang. Am nächsten Morgen saß ich im Sande des hoteleigenen kleinen Strandes und schrieb mein nächstes Rezept…

Merkwürdige Krebse gab es an diesem Strand. Sie wühlten sich neben einem unverhofft aus dem Sand, rannten eine Strecke weit als würden sie verfolgt und vergruben sich rasch wieder. Der Direktor des Hotels warnte vor dem Schwimmen an seinem Strandabschnitt. Gerade an dieser Stelle, so erzählte er, sichte man öfters Haie. Ich lachte die Besorgnis des Direktors beiseite und planschte fröhlich im warmen transparenten Wasser der Arabischen See. Als ich hinterher am Strand lag und in der tropischen Sonne trocknete, fiel mein Blick auf eine Flosse, die einen knappen halben Meter aus den Wellen ragte und pfeilschnell in zornigem Zickzack hin und her pflügte, um im nächsten Moment wieder in den Weiten des Meeres zu verschwinden. Von der Tropensonne getrocknet, setzte ich mich auf die Hotelterrasse und bestellte ein Glas eisgekühlte Coca Cola. Über mir; im offenen Dachgebälk, sprangen Geckos umher, kleine eidechsenartige Scharlatane auf der Jagd nach Insekten. Der Hoteldirektor lachte schallend, als ich mein Bedenken hinsichtlich der unmittelbaren Nähe solcher Tiere äußerte. Er lachte noch stets, als einer der Geckos einem vorüber fliegenden fetten Käfer hinterher sprang, im Jagdfieber die Orientierung verlor und samt dem fetten Käfer im Maul, in meine Cola platschte. Mit meiner eisgekühlten Coca Cola zum Teufel, machte ich mich auf die Suche nach einer Apotheke…

Als der Apotheker mein Rezept sah, lachte er laut. Er zerriss es in tausend kleine Fetzen und ließ sie genüsslich in einen Papierkorb regnen. Danach sah er mir lächelnd ins Gesicht und fragte, „Nur zehn Ampullen? Darf es nicht auch ein wenig mehr sein“? Er öffnete eine Schublade und mein Blick fiel auf hunderte glitzernder, sanft hin und her rollender Morphinampullen. Ich erwarb auf der Stelle fünfzig Stück. Der Apotheker steckte die sie fein säuberlich, eine nach der anderen, in ein Papiertütchen und reichte es mir. Danach nahm er eine frische Einmalspritze und einen Abbindgurt aus einem Regal und bat mich, ihm zu folgen. Er führte mich in sein Wohnzimmer, bot mir den besten Sessel an und schaltete das Radio ein, ein altes Röhrengerät mit Elfenbeintasten, Stoffbespannung und grünem, magischem Auge. Zu entspannender Musik, legte der Apotheker die Spritze und den Abbindgurt an meine Seite und forderte mich mit leiser Stimme auf, „Bitte, Sir, nehmen Sie sich alle Zeit der Welt“. Damit verließ er den Raum und schloss von außen sachte die Tür. Hier bist du zuhause, dachte ich erfreut und schnürte den Abbindgurt um meinen Oberarm. Und während Morphin wonnewarm durch meinen Körper floss, dachte ich, von hier gehst du nie wieder weg. Nach Bedarf Morphin HCL Ampullen, ein wolkenloser Himmel, weiße Strände und dazu das warme, transparente Wasser der Arabischen See vor dem Haus? Ich war wie ein sorglos dahin stolpernder Dummkopf, mitten ins Paradies gefallen!

Morphin HCL in die Vene geknallt, steht der Wirkung von iv. injiziertem Heroin nur in wenig nach. Es erzeugt nahezu das gleiche sanft aufwallende Gefühl von Wärme in der Magengrube, als bekäme man einen warmen Ball komprimierter Watte auf den Bauch geworfen, es erzeugt dasselbe Gefühl von, Lege du dich zurück, mein Sohn, und lasse die wonnigen Wogen über dich hinweg rollen. Im Grunde verläuft alles nur ein wenig langsamer und zahmer als bei Heroin, doch im Endeffekt ist die Wirkung, vor allem die stabilisierende Wirkung auf die Psyche, sehr ähnlich. Morphin HCL verursacht zweifelsohne auch wie Heroin dieselbe hartnäckige Verstopfung. Vernachlässigt man als Morphin HCL Gewöhnter seine Einnahme, treten Entwöhnungssymptome allerdings etwas rascher auf als bei Heroin der Fall. Es scheint, als flösse Morphin HCL mit weniger Widerstand durch den Körper…

Durch die regelmäßige Einnahme von Morphin blühte ich auf wie eine Frühlingswiese. Mein Appetit wuchs, ich nahm zu, nicht jedoch in ungesunder Weise, ich wurde nicht etwa übergewichtig dabei, sondern nur gesund und kräftig. Mein blonder Haarschopf leuchtete und meine Haut schimmerte wie Perlmutt. So war es mir mit Morphinen schon immer ergangen. Ich erblühte unter ihrer Wirkung, und keineswegs nur einige Zeit mit folgendem verheerendem Verfall, wie Staat und Medizin den Leuten gerne vorlogen, sondern dauerhaft, auch über Jahre hinweg. Verfügte ich über ausreichend geeignetes Morphin, kam bald der Tag an dem ich neue Kleidung kaufen musste, weil die alte zu eng geworden war. Die destruktive Drogenpolitik dieser Welt zielt darauf ab, Menschen wirksame, verträgliche und aufgrund ihres natürlichen Ursprunges nicht patentierbare Arzneistoffe vorzuenthalten, um ihnen stattdessen die überwiegend verheerenden industriellen Chemikalien des internationalen petrochemischen – pharmazeutischen Verbrecherkartells notfalls mit Gewalt in den Leib zu würgen...

Selbst das so verteufelte Heroin ist in Wahrheit nur ein relativ harmloses, gut wirkendes und gut verträgliches Arzneimittel. Man darf eben nur nicht leichtfertig damit umgehen und mehr davon zu sich nehmen, als man nötig hat und gewöhnt ist. Dazu muss der Umgang mit Morphin erlernt sein. Um aber den Umgang mit Morphin zu lernen, müsste man erst ausreichend darüber verfügen. Gerade das verhindert das BtmG. Welcher einfache Mensch, in beispielsweise Mitteleuropa, verfügte schon über ausreichende Mengen Morphin? Deshalb ergeht es vielen wie Halbverhungerten, die ständig über zu wenig Nahrung verfügen. Sitzen sie plötzlich vor üppig gedeckten Tafeln, fressen sie sich zu Tode…

Während in Europa, den USA, in GB und anderswo, Kontrollwütige an den Schaltstellen der Macht heftig die Lüge propagierten, Morphine seien schädlich und ihre Verwendung führe über kurz oder lang zu Siechtum und Tod, bewies ich, fröhlich und gesund am Strande der Insel liegend zum wiederholten Male, sie logen! Morphine sind keine „Rauschgifte“. Morphine sind außerordentlich wertvolle, vielfältig anwendbare Medikamente, die allen die sie nötig haben, Fröhlichkeit, Gesundheit und langes Leben bescheren. Potente Morphine aber als schnöde „Freizeitdroge“ zu verwenden, wie vielfach in westlichen Ländern der Fall, ist ein Frevel, der die Bestrafung in sich trägt…

Drei Apotheken gab es am Ort und alle verkauften sie problemlos Morphinampullen. Aber nicht lange. Schon nach wenigen Wochen waren in der ersten Apotheke alle Ampullen ausverkauft. Der Apotheker musste in die Hauptstadt reisen, um Nachschub zu beschaffen. Bald reisten, während ich unbekümmert am Strand lag, alle drei Apotheker durchs Land um Morphinampullen aufzutreiben. Es dauerte insgesamt etwa fünf Monate, bis alle drei resignierend die Schultern hoben und versicherten, es stünde auf der ganzen Insel kein Morphin mehr zur Verfügung. Nachschub vom indischen Festland, war erst in sechs Monaten zu erwarten. Wie es schien war es mir gelungen, in nur wenigen Monaten den gesamten verfügbaren Morphin HCL Vorrat eines Landes der Größe von Bayern zu verbrauchen. Mein Gewissen drückte, dachte ich an die vielen Menschen der Insel, die jetzt trotz quälender Schmerzen und wuchernder Krebsgeschwüre, anstelle von Morphin nur Paracetamol erhielten. Doch wie ich erfuhr, gab es in Krankenhäusern und Arztpraxen mit festem Patientenstamm noch ausreichend Morphine die nicht auf den freien Markt gerieten, weil sie ausschließlich für Notfälle und eigenem Patientenstamm verwendet wurden …

Wie schnell doch Paradiese ihren Reiz verloren, fehlte es in ihnen an brauchbarem Morphin. Pethidin, ein kurz wirkendes synthetisches Morphin, war dagegen noch reichlich vorhanden und so wich ich notgedrungen auf Pethidin aus. Pethidin eignete sich aber nicht zur dauerhaften Verwendung. Zum einen war es nur etwa drei Stunden wirksam, zum anderen erzeugte es sehr rasch tückische Nebenwirkungen. Angstzustände traten auf und Panikattacken raubten einem den Atem. So wurde ich beispielsweise mitten in der Nacht wach in der festen Überzeugung, jeden Moment raffte mich ein kardialer Arrest dahin. Ich weckte meine Vermieterin und fragte, ob sie Valium im Hause habe, woraufhin sie mich prompt für „drogensüchtig“ hielt. Auch am Tage, zum Beispiel während des Schwimmens, hunderte Meter weit draußen im Meer, bei haushohen Wellen, aus heiterem Himmel, Panikattacke! Für die gesunde, dauerhafte Behandlung einer Morphinbedürftigkeit, erwies Pethidin sich als völlig ungeeignet. Ähnliches berichtete übrigens auch W. S. Burroughs, der allerdings Pethidin in der deutschen Übersetzung seiner Werke noch „Eukodal“ nennt…

In dieser Not erfuhr ich, dass jeder Apotheker des Landes ein Mal im Jahr eine feste Ration Rohopium zugeteilt bekam. Wie sich zeigte, besaßen meine Apotheker ihre Rationen noch. Doch es dauerte nicht lange und sie durchreisten wieder die Insel, diesmal um die vorhandenen Rohopiumrationen ihrer Kollegen aufzukaufen. Das Zeug schmeckte zwar abscheulich, aber man konnte damit leben...

Von einigen Jugendlichen des Ortes erfuhr ich, sie importierten Opium von der Südspitze Indiens. Sie verkauften es in zehn Gramm Stücken von etwa der Größe einer Streichholzschachtel. Diese Opiumstücke waren in violettes japanisches Seidenpapier eingeschlagen, kreuzweise mit einer feinen hellblauen Kordel verschnürt und am Kreuzpunkt der Kordel mit einem blutroten Klecks Siegelwachs versiegelt, auf dem im Relief eine auffliegende Schwalbe zu sehen war. Kein propagandistisch verseuchter Deutscher Tourist hätte in dieser hübschen Verpackung jemals „Rauschgift“ vermutet. Und korrekt. Sie enthielt ja auch kein „Rauschgift“. Sie enthielt feines, wertvolles Opium von der Südspitze Indiens…

Die kommenden Wochen lag ich am Strand und nuckelte verdrossen auf bitterem, teerschwarzem Opium. Eines Tages wunderte ich mich darüber, dass oben an der Hauptstraße, trotz strahlenden Sonnenscheins, jeder mit einem Regenschirm unterm Arm einher zu laufen schien. Bei näherer Betrachtung ergab sich, es waren keine Regenschirme, es waren Gewehre. Während ich sorglos mit Opium in der Backe am Strand gelegen hatte, war stillschweigend um mich her der Bürgerkrieg ausgebrochen!

Zur Zeit der Kolonialisation wollten die Engländer die einheimischen Singhalesen auf Teeplantagen zur Zwangsarbeit treiben. Aber die Singhalesen waren kluge Leute. Sie stellten sich bei der Arbeit so dämlich an dass die Engländer den Eindruck gewannen, sie taugten nicht zur Arbeit. (Gut gemacht, Singhi!!) Deshalb schafften sie Tamilen von der Südspitze des Indischen Festlandes herbei, die klüger und arbeitsfähiger schienen als die ursprüngliche Bevölkerung. Inzwischen verweilten die Tamilen aber schon so lange auf der Insel und empfanden sich von den einheimischen Singhalesen derart unterdrückt, dass sie ihren eigenen Teil der Insel forderten. Das war, in einer Nussschale, der Kern dieses Bürgerkrieges.

Als ich nach Einbruch der Dunkelheit auf ein Fischrestaurant zulief um dort das Abendbrot einzunehmen, traf ich auf eine johlende Menge, im Begriff, das Restaurant abzufackeln. Am nächsten Morgen flog die Polizeistation in die Luft. Es schien dringend an der Zeit dieses Paradies zu verlassen, wandelte es sich doch vor meinen Augen in eine echte Hölle. Ich ließ mich zum Flughafen bringen, erstand ein Ticket nach
Peshāwar und verließ die Insel noch in derselben Nacht. Nicht dass es zu der Zeit in Peshāwar wesentlich friedlicher zugegangen wäre. Im Gegenteil. Gleich nebenan, in Afghanistan, kämpfte die Rote Armee gegen Afghanische Freiheitskämpfer. Dafür floss aber Heroin in den Straßen Peshāwars reichhaltiger und billiger als anderswo...

Carlitos Amsel vom Holunderstrauch



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